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Schweiz
03.08.2026
03.08.2026 16:11 Uhr

«Die Situation wird langsam dramatisch»

Bauer Markus Bisig leidet wie alle Bauern unter der Hitze: «Die Futterpreise steigen, die Fleischpreise sinken.»
Bauer Markus Bisig leidet wie alle Bauern unter der Hitze: «Die Futterpreise steigen, die Fleischpreise sinken.» Bild: zVfg
Die anhaltende Hitze setzt den Bauern stark zu. Regionalpräsident Markus Bisig aus Wagen spricht über Futtermangel, steigende Kosten und wachsende Sorgen.

Linth24: Herr Bisig, Sie sind Regionalpräsident des Bauernverbands See-Gaster. Wie kommen die Bauern mit der permanenten, bald seit Monaten vorherrschenden Hitze zurecht?

Markus Bisig: Die Situation wird langsam dramatisch. Im Moment wächst praktisch gar nichts mehr. Viele Bauern müssen bereits das Winterfutter verfüttern. Das bedeutet, dass dieses Futter im kommenden Winter fehlen wird.

Wie gross ist der Ausfall beim Futter?

Im Tal rechnet man normalerweise mit rund fünf Schnitten pro Jahr, in höheren Lagen mit vier. Der erste Schnitt bringt zwar den grössten Ertrag, trotzdem fehlt inzwischen etwa ein Viertel des Futters – oder je nach Lage zwei Futterschnitte.

«Die Kühe gehen auf die Weide, doch dort ist nichts Grünes mehr.»
Markus Bisig

Reicht das Grünfutter noch aus?

Es wird knapp. Bei uns gehen die Kühe zwar noch auf die Weide, doch dort ist praktisch nichts Grünes mehr. Wir holen zusätzlich Gras von weiter entfernten Flächen, welches wir normalerweise für den Winter konservieren würden. Das dürfte aber höchstens noch ein bis zwei Wochen reichen.

Würde Regen die Lage rasch entspannen?

Er würde helfen, aber das Gras wächst nicht von heute auf morgen nach. Wo die Wiesen bereits abgestorben sind, muss zuerst neues Gras entstehen. Gleichzeitig breiten sich Pflanzen wie Ampfer, Hirse oder Löwenzahn aus. Sie haben einen schlechten Futterwert oder werden von den Kühen nicht gerne gefressen.

«Rund 3'000 Tiere mehr sind zur Schlachtung angemeldet.»
Markus Bisig

Wie geht es nun weiter?

Das ist völlig ungewiss. Im Moment hoffen wir einfach auf Regen.

Spürt man die Trockenheit bereits am Fleischmarkt – offenbar sollen die Bauern vermehrt Kühe zur Schlacht bringen, weil Futter fehlt.

Ja. Die Fleischpreise sind am Sinken. Aufgrund der Trockenheit und um Futter zu sparen werden deutlich mehr Kühe zur Schlachtung angemeldet – rund 3000 Tiere mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Macht sich unter den Bauern Sorge breit?

Ja. Man fragt sich, wie es weitergeht. Viele befürchten zusätzlich einen sinkenden Milchpreis, falls im Herbst wieder mehr Milch auf den Markt kommt. Ob das tatsächlich eintritt, weiss aber niemand.

«Wer noch Futter findet, muss deutlich mehr bezahlen.»
Markus Bisig
Bild: zVfg

Wie schwierig ist die Futtersituation?

Viele Betriebe werden früher als üblich Futter zukaufen müssen. Das Problem ist, dass kaum noch Futter verfügbar ist. Auch unsere Nachbarländer Deutschland und Frankreich leiden unter der Trockenheit. Wer überhaupt noch Futter findet, muss deutlich mehr bezahlen.

Wie stark sind die Preise gestiegen?

Im Frühling kostete gutes Heu aus dem Vorjahr noch rund 25 Franken pro 100 Kilogramm. Heute liegen die Preise bei rund 45  Franken. Das ist nahezu eine Verdoppelung.

Was wünschen Sie sich jetzt?

Im Moment hoffen wir jeden Tag auf Regen. Ohne Niederschläge wird sich die Situation weiter verschärfen.

Bruno Hug, Linth24
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